18. Mai 2005 – Das erste Mal richtig ich
(oder: Wie mein Egg nicht explodierte, sondern einen ordentlichen Riss bekam 🥚💥)
Es gibt diese Momente im Leben, da merkt man:
Das hier ist neu.
Und gleichzeitig: Das hier war schon immer da.
Bei mir kam das nicht mit Glitzer ✨, nicht mit Klarheit 🧘♀️ und ganz sicher nicht mit Selbstbewusstsein.
Meine Schale bekam Ende der 90er erste feine Risse. Sehr feine. Kaum sichtbar.
80er-Kind halt. Provinz.
Kein Vokabular. Keine Vorbilder. Kein Internet, das man einfach so fragen konnte, ohne dass das Modem minutenweise Geld verbrannte 📞💸
Ich wusste nur eines ziemlich sicher:
Ich bin komisch.
Nicht „quirky“, sondern anders-alleine.
Und ich war überzeugt: Es gibt niemanden sonst wie mich.
📝 1996: Facharbeit, Modem, bloß nicht zündeln
1996, Englisch-Leistungskurs, Facharbeit.
Thema: Der Nutzen des Internets beim Lernen moderner Fremdsprachen.
Ironie des Schicksals:
Genau dieses Internet führte mich kurz in Newsgroups, in denen Dinge standen, die man heute ziemlich eindeutig unter „trans“ einordnen würde.
Ich habe reingeschaut 👀
Und dann sofort wieder zugemacht 🚪
Bloß nicht.
Nicht zündeln.
Sonst brennt die Bude lichterloh 🔥
⏩ Fast forward: Frauen, Wohnungen, „alles normal hier“ 😌
Es folgten Beziehungen mit Frauen.
Gemeinsame Wohnungen.
Also: nicht schwul – yay ✅
2004: erste eigene Wohnung.
Und was macht man da so, ganz unauffällig?
Man bestellt Klamotten bei Otto, Bonprix & Co. 📦
Und versteckt sie. Natürlich.
🏠 2005: Nachbarin, Prokrastination & ein verdächtig ehrliches Gespräch
2005 dann: erste eigene Wohnung, Internet, Nachbarin.
Alte Klassenkameradin. Gleiches Haus, andere Etage.
Sie frisch aus einer langen Beziehung.
Ich mitten in der Diplomarbeit.
Wir beide hervorragend im Prokrastinieren 🧠💫 und ziemlich gut im Nähe zulassen.
Irgendwann dieses Gespräch.
„Du… da ist was.“
Mir war das unfassbar unangenehm.
Ich habe mich geschämt. Wirklich geschämt.
Ich erzählte ihr von den Sachen.
Vom Make-up.
Von der billigen blonden eBay-Perücke für 30 Euro 🙃
Und wartete innerlich auf…
keine Ahnung was.
💄 Plot Twist: Theater-AG, Make-up & kein Drama
Stattdessen sagte sie:
Sie war früher in der Theater-AG 🎭
Sie war die für Make-up.
Und sie würde mich jetzt einfach mal schminken.


Keine große Sache.
Kein Drama.
Kein Urteil.
🪞 Der Spiegelmoment (aka: „Oh. Das passt.“)

Als ich fertig war, stand ich vor dem Spiegel meines Kleiderschranks.
Und da war er – dieser Moment, der sich nicht laut anfühlt, sondern richtig.
Wow.
So müsste ich aussehen.


Nicht „verkleidet“.
Nicht „komisch“.
Sondern: stimmig.
Wir machten ein paar Fotos 📸
Die, die ihr hier seht.
18. Mai 2005.
Mein Egg hatte jetzt keinen Haarriss mehr.
Das Ding war angeschlagen. Deutlich 🥚⚡
🌱 Kein Coming-out. Aber ein Anfang.

Das war kein Coming-out.
Keine Entscheidung.
Keine Transition.
Aber es war der Anfang von etwas viel Wichtigerem:
Selbstakzeptanz.
Später stellte ich einige dieser Bilder online.
Es kamen viele Nachrichten.
Sehr viele.
Fast alle eindeutig sexuell 😬
Fast alle komplett abstoßend 🚮
Aber dazwischen waren sie:
Die ersten Kontakte zu anderen trans Frauen.
Kaum medizinisch transitionierend, viel Suchen, viel Unsicherheit – aber:
nicht mehr allein 🤍
✨ Fazit: Nicht alles wissen müssen, um weiterzugehen
Ich wusste ab da nicht alles.
Aber ich wusste genug.
Und manchmal reicht genau das,
um den nächsten Schritt zu gehen 👣
👉 Weiterlesen
Der Abend im Mai war nur der Anfang.
→ Was danach kam:
2005–2006 – Wochenende Anna: Mein Doppelleben in Augsburg
Sehr bewegend.
Danke Dir. Fand es damals eher gut, dass ich endlich mal wusste was mit mir nicht stimmt.
Gänsehaut und Tränen in den Augen.
Ein Deja vu Gefühl. 🥹🩷
Ok. Danke. Fand den Text jetzt weniger emotional.