Warum ich mein WordPress neu baue – und was dabei schiefging
(Vom Fuckup zum Ziel)
Ich wollte eine einfache Sache:
eine persönliche Blogseite.
Ein Intro.
Ein Portrait.
Darunter meine aktuellen Texte.
Kein Showroom. Kein Marketing-Funnel. Kein „Jetzt aber noch ein Hero-Gradient mit Scroll-Animation“.
Schreiben sollte im Mittelpunkt stehen – nicht das Layout.
Also habe ich WordPress genommen. Bewährt, stabil, genau dafür gemacht.
Als Ergänzung zu Social Media, nicht als Ersatz: Threads, LinkedIn, Instagram, TikTok – dort kurze Impulse, hier längere Gedanken.
Und dann kam alles anders.
Die falsche Richtung: modernes WordPress
Ich habe es ernsthaft versucht.
Astra. Twenty Twenty. Twenty Seventeen. Customizer. Block-Themes.
Das Versprechen:
flexibel, modern, visuell konfigurierbar.
Die Realität:
intransparent, überkonfiguriert, nicht deterministisch steuerbar.
Symptome
- Farben im Customizer ändern → keine sichtbare Wirkung
- Typografie anpassen → irgendwo greift noch etwas anderes
- Custom CSS:
- sichtbar im
<head> - wirkungslos – außer mit
!important
- sichtbar im
- Unterschiedliches Verhalten in Safari und Chrome
- CSS greift nur noch auf
body→ alles wird brutal eingefärbt - Seitenquelltext: tausende Zeilen, niemand weiß mehr, wo was herkommt
Styling kam gleichzeitig aus:
- Theme-CSS
- Block-Styles
- Inline-Styles
theme.json- Customizer
- Admin-Bar
- Cache-Effekten
Debugging wurde zum Ratespiel.
Und irgendwann stellt sich nicht mehr die Frage „Was ist kaputt?“, sondern
„Warum tue ich mir das eigentlich an?“
Ein strukturelles Problem
Das ist kein persönlicher Fail.
Das ist ein strukturelles Problem moderner WordPress-Themes.
Block-Themes funktionieren oft:
- in Standard-Konfiguration
- mit Demo-Inhalten
- ohne tiefere Anpassungen
Für viele Nutzerinnen ist das „gut genug“.
Für Entwicklerinnen mit Anspruch an Kontrolle ist es oft das Gegenteil.
WordPress wird von vielen Themes nicht mehr als Content-Engine behandelt,
sondern als visuelles CMS zum Zusammenklicken.
Aber genau das wollte ich nicht.
Die Entscheidung: Reset statt Gefrickel
Irgendwann war klar:
Noch ein Debugging-Abend bringt nichts.
Also: radikaler Reset.
- kein Astra
- keine Twenty-Themes
- kein Block-Layout
- kein
theme.json - kein Customizer
Stattdessen: WordPress wieder als das, was es gut kann:
- Content-Engine
- Publishing-System
- Blog-Backend
Der neue Ansatz: Minimalismus mit Kontrolle
Ich habe mein eigenes Theme gebaut.
Bewusst schlicht
- reines PHP, HTML, CSS
- klare Template-Hierarchie (
front-page.php,page-links.php, …) - ein zentrales
style.css - keine versteckten Überschreibungen
- keine externen Abhängigkeiten
Entwicklung lokal, Versionierung über Git, Deployment per SFTP.
Altmodisch? Vielleicht.
Vorhersehbar? Absolut.
Kleine Features, sauber gebaut
- Eigene Meta-Box für „Links & Profile“ – ohne Plugin
- Icons als PHP-Partials, keine Icon-Libraries
- Fonts (Fraunces) lokal eingebunden:
- keine Google-CDN-Requests
- keine Cookies
- kein Banner
- Dark Mode bewusst und zurückhaltend
- Portrait mit Badge – nicht fixed, kein Overflow-Chaos
- Grid-Layouts mit
min-width: 0, weil Details zählen
Alles nachvollziehbar. Alles debuggbar.
Was ich daraus gelernt habe
- Moderne Block-Themes sind kein Fortschritt für alle
- Weniger Magie bedeutet mehr Kontrolle
- Schreiben profitiert von Ruhe, nicht von Konfigurationsoptionen
- WordPress funktioniert hervorragend – wenn man es lässt
Das hier ist keine Nostalgie.
Das ist eine bewusste, technisch begründete Entscheidung.
Fazit
Ich habe WordPress nicht verlassen.
Ich habe es mir zurückgeholt.
Weniger Klicky-Bunti.
Weniger Überraschungen.
Mehr Klarheit.
Und vor allem:
besseres Schreiben.


Bin gespannt, was noch alles zum lesen hier gibt.
Gruss Mara