Porträtfoto einer Frau mit hellblonden, lockigen Haaren und schwarzer Brille. Sie blickt direkt in die Kamera, mit ruhigem, ernstem Gesichtsausdruck. Sie trägt eine Jeansjacke über einem dunklen Oberteil sowie eine feine Halskette. Der Hintergrund ist neutral und unaufdringlich.

Warum mich das männliche Dauer-Senden ermüdet

· 2 Min. Lesezeit · Anna Görlitz

Dieser Text ist keine Abrechnung.
Er ist eine Beobachtung aus beruflichen und digitalen Räumen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt.
Ich schreibe ihn bewusst ruhig – und als Frau.

Nicht alle Männer – aber ein Muster

Ich schreibe das als Frau.
Und nicht als Wutpost, sondern als Beobachtung.

Seit einiger Zeit ermüdet mich ein bestimmter Kommunikationsstil – besonders im beruflichen Kontext, besonders online, besonders auf Plattformen wie LinkedIn. Es geht mir dabei ausdrücklich nicht um „alle Männer“. Es geht um ein männlich codiertes Muster, das dort auffällig dominant ist.

Monolog statt Dialog

Ein Stil, der laut ist.
Der permanent sendet.
Der erklärt, deutet, bewertet – und erstaunlich selten zuhört.

Typisch sind Formulierungen wie:
„Ich spüre …“
„Ich sage euch …“
„Ich erkläre euch die Welt …“

Das Problem daran ist nicht Selbstbewusstsein.
Das Problem ist Monolog statt Dialog.

Viele Beiträge wirken weniger wie Austausch und mehr wie Selbstvergewisserung mit Kommentarfunktion. Es wird gesprochen, nicht gefragt. Positioniert, nicht geprüft. Zweifel gelten als Schwäche, Lautstärke als Kompetenz.

Nicht biologisch – sozial geprägt

Wichtig ist mir diese Abgrenzung:
Das ist kein biologisches Thema. Es ist kein „Männer sind so“-Argument. Auch Frauen können diesen Stil reproduzieren.

Aber er ist historisch, sozial und kulturell stark männlich geprägt – und wird auf Plattformen, die Sichtbarkeit belohnen, systematisch verstärkt.

Warum das problematisch ist

Nicht, weil es unangenehm ist.
Sondern weil es andere Stimmen verdrängt.

Leise, abwägende, suchende Formen von Kommunikation haben dort schlechtere Karten. Menschen, die Fragen stellen statt Antworten zu liefern. Die Unsicherheit zulassen. Die Dinge gemeinsam entwickeln wollen statt sie zu verkünden.

Gerade viele Frauen – cis wie trans – ziehen sich aus solchen Räumen irgendwann zurück. Nicht aus Schwäche, sondern aus Erschöpfung. Weil sie keine Lust haben, sich permanent gegen Lautstärke, Selbstinszenierung und Dominanz zu behaupten, nur um überhaupt gehört zu werden.

Was dabei verloren geht

Was dabei verloren geht, ist enorm:
• echte Diskussion
• Widerspruch ohne Gesichtsverlust
• Lernen durch Zweifel
• Gespräche auf Augenhöhe

Dabei könnte es anders sein.

Kommunikation müsste nicht ständig performativ sein.
Meinung müsste nicht immer als Wahrheit auftreten.
Führung müsste nicht mit Dauerpräsenz verwechselt werden.

Ein anderes Verständnis von Austausch

LinkedIn – und ähnliche Räume – hätten das Potenzial, Orte für echten Austausch zu sein: zwischen Erfahrung und Neugier, zwischen Wissen und Nicht-Wissen, zwischen unterschiedlichen Perspektiven.

Stattdessen sind sie oft Bühne für Ego und Dauer-Performance.

Ich schreibe das nicht, um jemanden bloßzustellen.
Und auch nicht, um zu überzeugen.

Ich schreibe es, um präzise zu sein.

Vielleicht brauchen wir weniger Alpha-Attitüde.
Und mehr erwachsene Kommunikation.

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2 Kommentare zu “Warum mich das männliche Dauer-Senden ermüdet”

  1. Kann man nur bestätigen. Oft lese ich Kommentare die auf keinen Hintergrund basieren. „Das ist so wie ich es sehe“ könnte man meinen und wenn man nachfragt wie diese Meinung entstanden ist kommt nur wirres Zeug und noch mehr Behauptungen. Ich stimme diesem Text zu, weil ich es selbst schon erlebt habe.

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