Selfie einer blonden Frau mit lockigen Haaren und Brille. Sie trägt eine Jeansjacke und eine Kette, schaut ruhig und direkt in die Kamera. Abendliche Umgebung mit Fenster und Stadtlichtern im Hintergrund.

Dokumentation: Transfeindliche Angriffe auf X

· 6 Min. Lesezeit · Anna Görlitz

Ein Fallbeispiel für transfeindliche Online-Kampagnen

1. Warum ich das hier dokumentiere

Seit Monaten werde ich auf X (Twitter) von verschiedenen Accounts angegriffen. Viele dieser Angriffe richten sich ganz explizit gegen mich als trans Frau:

  • Ich werde konsequent als „Mann“ bezeichnet,
  • mir werden sexuelle Fetische angedichtet,
  • und mein politisches Engagement wird als Gefahr für Frauen dargestellt.

In diesem Beitrag dokumentiere ich exemplarisch, was eine Person – Montserrat Varela Navarro aus München – öffentlich über mich schreibt.

Es geht mir nicht darum, einen privaten Kleinkrieg zu führen. Ich möchte zeigen, wie transfeindliche Narrative funktionieren, wenn sie sich hinter dem Etikett „Feminismus“ verstecken: durch Misgendern, Sexualisierung, Pathologisierung und Prangermechanismen.

2. Wer ist die Person?

Montserrat Varela Navarro tritt auf X/Twitter unter Klarnamen auf und äußert sich dort regelmäßig zu trans Themen, Frauenrechten und Politik.

Private Daten wie Anschrift oder Arbeitgeber spielen hier keine Rolle und gehören nicht in einen Blogpost. Entscheidend ist, was sie öffentlich über mich schreibt und wie sie versucht, mein Bild nach außen zu formen.

3. Was sie über mich schreibt – dokumentierte Beispiele

Im Folgenden ein Ausschnitt aus Tweets, die sich direkt auf mich beziehen. Die Screenshots der Originalposts füge ich unter dem Text ein, jeweils mit Link zur Quelle.

3.1 „Die CSU hat auch ein männliches Mitglied, das Frauen zu seinem Fetisch macht“

„Die @CSU hat auch ein männliches Mitglied, das Frauen zu seinem Fetisch macht. Er hat natürlich auch versucht, eine Frau zum Schweigen zu bringen.
Wir lassen nicht locker, @csu_lt. Warum müssen sich Frauen Männer wie dieser gefallen lassen?“

Separat im gleichen Kontext:
„Wer nerven hat, kann sein Insta-Account durchblättern, ‘Anny Goerl’. 🚩🚩 @CSUAugsburg“

Was hier passiert:

  • Ich werde als „männliches Mitglied“ bezeichnet, obwohl ich rechtlich als Frau anerkannt bin und öffentlich als trans Frau lebe.
  • Mir wird unterstellt, ich würde „Frauen zu meinem Fetisch“ machen – also eine sexualisierte und pathologisierende Zuschreibung.
  • Mein Instagram-Profil wird als Warnsignal markiert („🚩🚩“) und mit CSU-Accounts verlinkt – das hat klare Prangerwirkung: „Schaut euch das an, das ist der Skandal“.

Screenshot eines X-Tweets von @MontserratVaNo. Text: „Die @CSU hat auch ein männliches Mitglied, das Frauen zu seinem Fetisch macht. … Wer nerven hat, kann sein Insta-Account durchblättern, ‘Anny Goerl’. 🚩🚩“

3.2 „Es ist sein Fetisch Autogynophilie“ und „#kinkshame“

In einem anderen Thread greift Navarro meinen Namen und mein Auftreten auf:

„Allein der Name, den er sich gegeben hat ‘Gööörl-itz’ 🚩🚩🚩 #kinkshame“

Und weiter:
„Das weiß ich. In irgend einem Post nennt er sich ‘Anny Görlitz’. Es klingt eindeutig nach ‘Anny girl’, denn als solches präsentierte er sich.
Es ist sein Fetisch Autogynophilie.“

Was hier passiert:

  • Ich werde erneut als „er“ bezeichnet – also bewusst misgendert.
  • Mein Name wird lächerlich gemacht und als „Fetisch-Name“ gedeutet („Anny girl“).
  • Es wird ausdrücklich behauptet, ich hätte einen sexuellen Fetisch („Es ist sein Fetisch Autogynophilie“).
    Das ist keine neutrale Meinung, sondern eine Tatsachenbehauptung über eine angebliche psychosexuelle Störung.

Screenshot eines X-Tweets von @MontserratVaNo, in dem über den Namen „Gööörl-itz“ gespottet und von „#kinkshame“ und „Fetisch Autogynophilie“ gesprochen wird.

3.3 „Nein, alle sehen einen Mann in Männern wie du, ‘Anny Giiirl’. Immer und ohne Ausnahme.“

In einem weiteren Thread reagiert Navarro auf meine Frage, ob mich jemand als Frau sieht:

„‚Ob mich jemand als Frau sieht?‘ –> Nein, alle sehen einen Mann in Männern wie du, ‘Anny Giiirl’. Immer und ohne Ausnahme. 🚩“

Was hier passiert:

  • Sie spricht mir explizit ab, als Frau wahrgenommen zu werden.
  • Sie formuliert das nicht als persönliche Wahrnehmung („Ich sehe dich als Mann“), sondern als Allgemeinbehauptung: „alle sehen einen Mann“.
  • Mein gewählter Name wird erneut verspottet („Anny Giiirl“).

Screenshot eines X-Tweets von @MontserratVaNo, der die Frage „Ob mich jemand als Frau sieht?“ zitiert und mit „Nein, alle sehen einen Mann in Männern wie du …“ beantwortet.

3.4 Aktueller Tweet mit meinem Foto und Markus Söder

Besonders deutlich wird das Muster in einem aktuellen Tweet, der ein Foto von mir mit Markus Söder und anderen CSU-/MU-Leuten zeigt (ursprünglich von einem anderen Account als „Mann im Kleid“-Tweet verbreitet):

„Peinlich, peinlich, @Markus_Soeder
Die @CSUimRathaus will den Bürgermeister in München stellen …

Eine Partei, die Fetische unterstützt und Frauen mit diesen Männern beleidigt?
Nicht mit mir, ausgeschlossen. @CSU @cducsubt“

Was hier passiert:

  • Das Foto zeigt mich klar erkennbar.
  • Ich werde nicht nur wieder zu „Mann“ gemacht („diese Männer“), sondern gleichzeitig als Fetisch-Objekt gerahmt („Partei, die Fetische unterstützt“).
  • Der Tweet richtet sich bewusst an die CSU und die Unionsfraktion – mit dem Ziel, mich in meinem politischen Umfeld zu diskreditieren.


Screenshot eines X-Tweets von @MontserratVaNo mit einem eingebetteten Bild, auf dem u.a. Markus Söder und ich zu sehen sind. Der Text spricht von einer „Partei, die Fetische unterstützt und Frauen mit diesen Männern beleidigt“.

4. Mein Instagram – Projektionsfläche statt Realität

Mehrfach fordert Navarro andere dazu auf, mein Instagram anzuschauen („Wer nerven hat, kann sein Insta-Account durchblättern“), versehen mit 🚩-Emojis.

Was es dort zu sehen gibt:

  • Selfies, Outfits, Alltag, ein bisschen Politik.
  • Keine Aufrufe zu Gewalt.
  • Keine Hetze gegen Frauen.
  • Nichts, was sachlich die Behauptung „Fetisch“ oder „Autogynophilie“ tragen würde.

Trotzdem wird mein Instagram von ihr als „Beweis“ benutzt, um ein vorgefertigtes Bild zu stützen: „Mann im Kleid“, „Fetisch“, „kinkshame“.

Das sagt aus meiner Sicht mehr über ihre Projektionen als über meinen Account.

5. Warum ich das als transfeindlich erlebe

Aus meiner Perspektive sind diese Tweets nicht „nur Kritik“, sondern klar transfeindlich. Gründe:

  1. Beharrliches Misgendern
    Meine rechtliche Anerkennung als Frau und mein öffentliches Auftreten als trans Frau sind bekannt. Trotzdem spricht Navarro konsequent von „Mann“, „männliches Mitglied“, „Typ“, „Männer wie du“.
    Das ist kein Versehen, sondern eine bewusste Verweigerung meiner geschlechtlichen Identität – und genau das ist ein klassisches transfeindliches Muster.

  2. Sexualisierung und Pathologisierung
    Wenn mir wiederholt ein „Fetisch“ unterstellt wird („macht Frauen zu seinem Fetisch“, „Fetisch Autogynophilie“, „#kinkshame“), dann geht es nicht um eine neutrale politische Debatte, sondern darum, mich als sexuelle Abweichung darzustellen.
    Damit werde ich nicht nur entmenschlicht, sondern auch für andere leichter angreifbar gemacht.

  3. Prangerwirkung und politischer Druck
    Durch das ständige Taggen von CSU-Accounts, Politiker*innen und den Verweis auf mein Insta-Profil wird versucht, mich in meinem Umfeld zu isolieren:
    „Schaut her, mit solchen Leuten arbeitet ihr.“
    Das ist weniger politische Argumentation, mehr ein Versuch, mich als Person loszuwerden.

  4. Delegitimierung meiner Existenz als Frau
    Aussagen wie „alle sehen einen Mann in Männern wie du, immer und ohne Ausnahme“ sprechen mir nicht nur das Frau-Sein ab, sie sollen es geradezu objektivieren: „alle sehen das so“.
    So etwas ist nicht „nur Meinung“, sondern ein gezielter Angriff auf meine Würde und Identität.

6. Juristische Einordnung – knapp

Ich bin keine Juristin und dieser Blogpost ist kein Rechtsgutachten. Ich lasse die Sache juristisch prüfen.

Im Raum stehen aus meiner Sicht u. a.:

  • Beleidigung,
    weil ich wiederholt misgendert und sexualisiert werde.

  • Üble Nachrede / Verleumdung,
    weil mir öffentlich ein sexueller Fetisch („Fetisch“, „Autogynophilie“) zugeschrieben wird, den ich nicht habe.

Welche Schritte am Ende sinnvoll und verhältnismäßig sind – strafrechtlich oder zivilrechtlich (z. B. Unterlassung) – ist eine Frage, die ich mit Anwält*innen klären werde.

7. Warum ich das öffentlich mache

Ich veröffentliche diese Dokumentation nicht, weil ich Lust auf Drama habe.
Ich veröffentliche sie, weil ich denke, dass viele Menschen nicht sehen, wie solche Kampagnen funktionieren:

  • Eine trans Frau wird konsequent als „Mann“ bezeichnet.
  • Ihr wird ein Fetisch angedichtet.
  • Ihr Instagram wird als Beleg missbraucht.
  • Ihr politisches Umfeld wird gezielt adressiert, um sie zu isolieren.

Wer so agiert, muss damit rechnen, dass Betroffene sich wehren – juristisch und öffentlich.

Ich bin nicht bereit, still zuzusehen, wenn andere mir dauerhaft absprechen wollen, die Frau zu sein, die ich bin.

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