Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
Das ist der erste Teil meiner Serie zur gaOP.
👉 Teil 2: gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage
👉 Teil 3: gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag
👉 Teil 4: Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach
Es gab bei mir nie ein klares „Nein“ zur gaOP (geschlechtsangleichende Operation).
Es war eher ein langes, ehrliches „Ich weiß nicht, ob ich sie brauche.“
Ich habe mein damaliges Genital nicht gehasst. Es war da. Es funktionierte. Es gehörte anatomisch zu mir. Aber es war nie etwas, das sich wirklich selbstverständlich angefühlt hätte.
Schon als Kind, in der fünften Klasse im Schullandheim, erinnere ich mich an diese absurde Szene, in der mit einem Lineal vermessen wurde. Ich habe mich schlafend gestellt, weil ich das so unangenehm fand. Nicht traumatisch. Aber fremd. Als würde da über etwas gesprochen, das zwar an mir war, sich aber nie wirklich wie „ich“ anfühlte.
Auch später zog sich dieses Gefühl durch.
In meiner „Teilzeitfrau“-Phase trug ich extrem enge Unterhosen, damit man bloß nichts sieht. Nach meinem Outing als trans Frau im vierten Quartal 2022 wurde das Thema Sichtbarkeit noch einmal bewusster – aber auch davor war es immer ein inneres Zusammenzucken bei enger Kleidung. Leggings mit sichtbarer Beule? Für mich ein komplettes No-Go.
Ein besonders intensiver Moment war eine Rafting-Stadtmeisterschaft mit befreundeten Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem BNI-Umfeld. Alle wussten, dass ich trans bin. Niemand war feindlich. Und trotzdem fühlte ich mich im Badeanzug extrem exponiert. Ich zog mir extra einen Neoprenanzug an, damit nichts erkennbar war – obwohl es eigentlich viel zu heiß dafür war. Es ging nicht um moralische Scham. Es ging um Stimmigkeit.
Ich lebte mit diesem Körper.
Aber er fühlte sich nie ganz ruhig an.
Der Wendepunkt
2023 gab es Spannungen in meiner Beziehung. Kein Ultimatum, kein Druck. Mein Eheenby hat nie gefordert, dass ich operiere, und nie gesagt, es wolle ein „Schwanzmädchen“. Auf meine vorsichtigen Fragen reagierte es eher ausweichend. Irgendwann hörte ich auf zu fragen.
In diesem Rahmen sagte ich irgendwann: Ich gehe das jetzt an.
Und ich stellte mir die entscheidende Frage:
Für wen mache ich das?
Die Antwort war klar: Für mich.
Nicht, um eine Beziehung zu retten.
Nicht, um Erwartungen zu erfüllen.
Nicht, um jemandem zu gefallen.
Wenn ich diesen Schritt gehe, dann für mich. Und dann muss ich auch die Konsequenzen selbst tragen – nicht jemand anderes.
Im Gespräch mit meinem Psychologen, Dr. Heinz Basin, sagte ich schließlich: „Ich bräuchte jetzt dann mal die Indikation.“
Er antwortete ruhig, dass er sie mir selbstverständlich ausstellen werde – wir hätten ja ohnehin unsere Sitzungen –, ich solle mir aber erst verschiedene Operateure ansehen und in Ruhe entscheiden.
Operateur-Gespräche
Lubos – 24.01.2024
Das Gespräch war strukturiert, mit Präsentation, klar organisiert. Ich fühlte mich nicht schlecht behandelt, aber ein wenig überrollt. Es ging schnell. Sehr schnell. Direkt erhielt ich eine OP-Beschreibung für meine private Krankenversicherung.
Ein Moment blieb mir positiv im Gedächtnis: Die Ärztin sah mein damaliges Genital an und meinte, es sei ausreichend Material für eine gute Tiefe vorhanden. Kurioserweise war ich davor und danach nie wieder so stolz auf dieses Ding. Heute ist es innen.
Die empfohlene Medikation irritierte mich – 50 mg Androcur für mehrere Tage, obwohl ich damals 5 mg jeden zweiten Tag nahm. Das passte für mich nicht ganz zusammen.
Die Wartezeit betrug etwa sieben Monate. Objektiv betrachtet ist das schnell.

Taskov – 06.03.2024 (Videocall)
Zunächst sprach ich mit einer Assistenzärztin. Mehrfach kam das Thema Sex mit Männern auf, obwohl ich klar sagte, dass ich verheiratet bin mit einer anatomisch weiblichen Person. Das empfand ich als irritierend und thematisch unpassend.
Im weiteren Verlauf wurde eine mögliche Zuzahlung von etwa 3000 Euro erwähnt. Zudem ist Dr. Taskov Belegarzt in einer Klinik, die ich bereits anderweitig kennengelernt hatte.
Was mich jedoch nachhaltig verunsicherte, war die organisatorische Abwicklung danach. Zunächst erhielt ich keine Rechnung. Später ging eine Mahnung ein, obwohl mir zuvor keine Rechnung zugegangen war. Die auf der Mahnung angegebene Telefonnummer war nicht erreichbar. Erst nach eigener Recherche und Kontaktaufnahme wurde die Angelegenheit geklärt und mir eine reguläre Rechnung zugesendet.
Das mag im Einzelfall ein Verwaltungsfehler gewesen sein. Für mich hinterließ es dennoch kein gutes Gefühl. Wenn es um eine so intime und irreversible Operation geht, möchte ich organisatorische Klarheit.
Mein Vertrauen wuchs dort nicht.

Morath & Schöll – 02.05.2024
Das Gespräch war höflich, professionell und gut geführt. Gleichzeitig wurde ein sogenannter „Ästhetik-Bonus“ in Höhe von 2.500 Euro zzgl. Umsatzsteuer angesprochen. Ich fragte ausdrücklich, ob dieser Anteil über meine private Krankenversicherung abgerechnet werden könne. Die Antwort war nein.
Für mich war das Thema Pinkeln zentral. Alltag ist wichtiger als jedes Marketingversprechen. Ich wollte wissen, wie zuverlässig die Funktion ist.
Einige Aussagen ließen mich unsicher zurück. Nicht dramatisch. Aber mein Bauchgefühl war nicht eindeutig.
Planegg – 14.08.2024 bei Dr. Lidl
Planegg hatte ich ursprünglich gar nicht auf dem Schirm. Auf Empfehlung vereinbarte ich einen Termin bei Dr. Lidl.
Das Gespräch war ruhig, sachlich und auf Augenhöhe. Keine Zusatzpakete. Keine ästhetischen Zusatzpositionen. Funktional gedacht. Klar kommuniziert.
Zum ersten Mal hatte ich ein wirklich gutes Bauchgefühl.
Im September kam ich auf die Warteliste.
Am 10.02.2025 erhielt ich den Anruf.
OP-Termin: Dienstag nach Ostermontag, 22.04.2025.
Mein letztes Ostern mit eigenen Eiern. 🐣

Der OP-Tag
Ausgerechnet am Karsamstag bekam ich Halsweh. Der Anästhesist war zunächst unsicher, ob operiert werden könne. Dr. Witczak entschied pragmatisch: stabiler Infekt, keine Verschlechterung – wir operieren.
Im OP habe ich noch gelacht, weil die Maske nicht richtig saß. Dann war ich weg.
Im Aufwachraum sah ich zum ersten Mal diesen blau-lila Mons pubis unter den Verbänden. Und ich wusste: Das ist richtig.
Der Moment im Spiegel
Ein paar Tage später wurde der Stent entfernt. Ich duschte zum ersten Mal richtig.
Mit Katheterbeutel in der Hand stand ich nackt vor dem Spiegel.
Glatt.
Kein Genital, das absteht. Keine Beule. Keine Projektion.
Ich sah eine Frau. Mit etwas zu viel Speck hier und da. Mit Katheter. Mit frischen Narben.
Aber ich sah mich.
Ich habe geweint. Nicht, weil ich etwas verloren hatte. Sondern weil nichts mehr störte. Es war ein Werktag, niemand hatte Zeit zum Telefonieren. Also stand ich allein im Badezimmer und weinte vor Erleichterung.
In diesem Moment wurde aus einem langen „Ich weiß nicht“ ein klares „Ja, das war richtig.“
Die gesamte Serie:
– Teil 1: Dieser Artikel
– Teil 2: gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage
– Teil 3: gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag
– Teil 4: Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach
Dr. Lidl war auch mein Arzt, 2015, und für mich war und ist er der beste, den man sich wünschen kann.
Liebe Trine,
ich war in Planegg, aber operiert haben mich Frau Dr. Witzcak und Herr Dr. Wallmichrath, aber ich bin super zufrieden mit dem Ergebnis. Das kommt aber später im Blog
Richtig, sowas macht man nur für sich. Nicht für den Partner oder Partnerin.