Ich am frühen Morgen am Hauptbahnhof Augsburg auf dem Weg nach Planegg zur geschlechtsangleichenden Operation
Frühmorgens am Hauptbahnhof Augsburg – auf dem Weg nach Planegg

gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage

· 6 Min. Lesezeit · Anna Görlitz

Das ist der zweite Teil meiner Serie zur gaOP.

👉 Teil 1: Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
👉 Teil 3: gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag
👉 Teil 4: Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach

Nach der Entscheidung aus Teil 1 kam irgendwann ein Datum.

Am 14. April 2025 war ich in Planegg zum Vorgespräch.
Anästhesie, Ablauf, Technik, Risiken.

Operiert wurde ich von Frau Dr. Witczak, Gynäkologin im Transgender-Team der Urologischen Klinik München Planegg. Dass die Operation in einer urologischen Klinik stattfindet, war mir wichtig. Urologie kennt sich anatomisch untenrum aus. Und zusätzlich eine Gynäkologin im OP zu haben, die weiß, wie weibliche Genitalien aufgebaut sind und wo was hingehört, gab mir Sicherheit.

Niemand wollte sich „untenrum“ etwas ansehen. Man erklärte mir offen, dass das für viele trans* Frauen belastend sei – und dass man am OP-Tag ohnehin sehe, was da ist. Ich musste lediglich entscheiden, ob bei Bedarf zusätzliche Haut aus dem Bauch oder aus der Leiste entnommen werden sollte. Ich entschied mich für die Leiste.

Außerdem bekam ich ein Abführmittel mit der Bitte, es am Abend vor der OP zu nehmen. Ich nahm es schließlich mittags und trank ab da nur noch Wasser. Wasser durfte ich bis wenige Stunden vor der Operation trinken.

Osterwochenende und Halsweh

Karfreitag fühlte ich mich seltsam.
Samstag wurde das Halsweh stärker.

Ich dachte nur: Bitte jetzt nicht krank werden.

Zum Glück wurde es nicht schlimmer. Aber die Nacht vom 21. auf den 22. April war unruhig. Gegen drei oder vier Uhr morgens sind mein Eheenby und ich aufgestanden und mit einem frühen Arverio von Augsburg nach München gefahren.

Ich wirkte gefasst. Innen war ich angespannt.

Aufnahme und Vorbereitung

In Planegg angekommen: Einchecken, Formalitäten.

Die Schwester fragte:
„Sind Sie untenrum rasiert?“

Ich war es nicht. Ich hatte die Haare bewusst wachsen lassen. Rasieren kann man immer. Nachwachsen lassen dauert.

Also noch einmal duschen, rasieren, Krankenhaushemd anziehen, Haare zusammenbinden.

Ein letzter Morgen mit meinem alten Körper.

Rotes Allergieschild mit der Aufschrift „Allergie: Pollen“ im Krankenhauszimmer während meines Aufenthalts in Planegg
Allergieschild im Krankenhaus während meines Aufenthalts in Planegg

Entscheidung trotz Infekt

Kurz vor der OP gab es noch einmal eine Diskussion.

Ich hatte ja Halsweh und leichten Husten. Der Anästhesist war vorsichtig. Dr. Witczak entschied schließlich: Wir operieren.

Zwischen acht und neun Uhr ging ich in Narkose.
Gegen 14 Uhr wachte ich im Aufwachraum wieder auf.

Der erste Blick nach unten

Mein erster Impuls war nicht Schmerz.

Ich schaute an mir herunter.

Alles glatt.
Alles verbunden.
Der Verband zog sich weit an den Innenschenkeln entlang.

Ich im Krankenhausbett nach der geschlechtsangleichenden Operation in Planegg
Nach der Operation in Planegg – noch alles frisch, aber ruhig

In meinem halb benommenen Zustand dachte ich kurz, man habe vielleicht Haut von dort entnommen. Ich wusste ja nicht genau, wo die „Leiste“ anatomisch endet und der Innenschenkel beginnt. Später stellte sich heraus: Es war alles wie geplant, keine zusätzliche Entnahme nötig.

Dr. Amouei beruhigte mich:
Material habe gereicht. Tiefe etwa 12–14 cm. Alles sehe gut aus.

Das war der Moment, in dem ich innerlich wirklich loslassen konnte.

Die Station – eine besondere Atmosphäre

Ich war in der Urologie.
Aber es war keine typische Krankenhausatmosphäre.

Zu diesem Zeitpunkt lagen dort überwiegend trans* Frauen nach geschlechtsangleichender Operation.

Das ist etwas anderes als eine Station voller schwerkranker Menschen.

Man liegt dort nicht, weil man todkrank ist.
Nicht wegen eines Notfalls.
Nicht, weil sich etwas verschlechtert.

Sondern weil man sich etwas ermöglicht, das einen stimmiger macht.

Diese Grundstimmung spürt man.

Natürlich gibt es Schmerzen. Natürlich Erschöpfung.
Aber darunter liegt häufig Erleichterung. Hoffnung. Eine vorsichtige Freude.

Das Pflegepersonal

Das Pflegepersonal war außergewöhnlich liebevoll.

Ich war ja mit einem leichten Infekt in die OP gegangen. Durch die Intubation während der Narkose war alles erst einmal ausgetrocknet, das Halsweh schien verschwunden. Aber danach kam der Husten mit Schleim zurück.

Frisch operiert zu husten ist kein Vergnügen.

Eine Schwester organisierte mir Hustensaft – nichts, was in einer Urologie selbstverständlich bereitliegt. Nachts kamen sie leise zum Verbandswechsel, erklärten ruhig, was sie tun, und nahmen sich Zeit.

Ich fühlte mich nie als „Sonderfall“.
Ich war einfach Patientin.

Das ist nicht selbstverständlich.

Sonntagsspaziergang und Stent

Am Sonntag bin ich mit meinem Eheenby einmal um die Klinik gelaufen. Ein kleiner Spaziergang. Danach war ich komplett erschöpft. Ich musste mich eine halbe Stunde ausruhen.

Der Stent war noch drin.

Interessanterweise hatte ich kein bewusstes Fremdkörpergefühl. In den ersten Tagen war ich mir der Dimension dieses Teils gar nicht richtig bewusst.

Am Montag wurde der Stent gezogen.

Und plötzlich war ich leicht.
Wirklich leicht.

Es war, als würde der Körper zum ersten Mal tief durchatmen.

Orientierungslosigkeit

Nachdem der Stent draußen war, begann eine seltsame Phase.

Ich wusste rational, dass ich eine gaOP hatte.
Ich sah einen geschwollenen, blau-lilafarbenen Mons pubis.

Aber mein Gehirn hatte noch nicht verstanden, wie mein Körper jetzt aufgebaut ist.

Ich fragte Frau Dr. Witczak ganz nüchtern:
„Wo ist denn jetzt was?“

Das klingt banal, aber dieses Gefühl ist real.

Das Körpergefühl war neu. Ungeordnet. Nicht schmerzhaft im Sinne von „unerträglich“, sondern fremd. Man weiß, dass da etwas operiert wurde – aber man kann es noch nicht mental kartieren.

Sitzen ging mit einem zu einem U gerollten Handtuch.
Liegen war okay.
Laufen war okay.

Länger stehen war in den ersten Wochen die Hölle.

Beim Husten musste ich die Beine anziehen, sonst zog es heftig. Ich hatte Angst, dass innen etwas reißen könnte. Ich wurde beruhigt: Das ist stabil vernäht.

Trotzdem ist Husten mit frisch operierter Muschi nicht angenehm.

Planegg als kleiner Zwischenraum

Nach den Kontrollen bin ich öfter noch ein Stück durch Planegg gelaufen.

Ein nettes Eiscafé. Ein schöner Biergarten weiter hinten.

Ich habe mich dafür sogar hergerichtet: Make-up, mein oranges kariertes Kleid.

Ibuprofen 600 – zwei bis viermal täglich – und alkoholfreie Getränke. Mehr nicht.

Diese Spaziergänge waren wichtig. Ein Stück Normalität.

Die andere Anna

Nach ein paar Tagen bekam ich Zimmergesellschaft:
Eine andere Anna. Auch trans*, OP einen Tag nach mir. Auch aus Augsburg.

Wir haben über vieles gesprochen.
Über das Sitzen, ja. Aber auch darüber, wann wir gemerkt haben, dass wir trans sind. Wie jede von uns lebt. Mit wem. Wie Partnerschaften funktionieren.

Sie findet mein Eheenby übrigens sehr süß.
Es selbst mag das nicht so hören.

Inzwischen sind wir befreundet.

Heimfahrt

Am Freitag, dem 2. Mai, durfte ich nach Hause.

Meine Freundin Jasmina holte uns mit dem Auto ab und fuhr uns nach Augsburg. Ich war ihr unglaublich dankbar. Öffentlich mit dem Zug hätte ich mir das in diesem Zustand nicht vorstellen können.

Das war Fürsorge, die man nicht vergisst.

Heimfahrt im Auto nach der geschlechtsangleichenden Operation in Planegg
Heimfahrt am 2. Mai 2025 – erschöpft, aber angekommen

Rückblick

Die Operation war nicht traumatisch.
Aber sie war zehrend.

Und dieses Zehrende blieb. Nicht nur Tage. Wochen. Eigentlich bis Anfang Juli.

Heilung ist kein Ereignis.
Sie ist ein Prozess.

Und damit beginnt Teil 3.

Dort geht es um:

– die Wochen zu Hause
– Bougieren
– den Knick im Introitus
– erste Orgasmen
– und die Phase bis zur zweiten OP

Aus drei Teilen werden vier.

Teil 4 wird sich dann mit OP2 und der funktionalen Realität beschäftigen: Was geht, was nicht – und was schlicht unrealistische Erwartung ist.

Weiter geht es hier:

👉 Teil 1: Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
👉 Teil 2: Dieser Artikel
👉 Teil 3: gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag
👉 Teil 4: Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach

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