Schwarzer Donut-Sitzring auf einem grünen Straßenbahnsitz während meiner Heilung nach gaOP.
Sitzen lernen. Alltag nach der gaOP.

gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag

· 6 Min. Lesezeit · Anna Görlitz

Das ist der dritte Teil meiner Serie zur gaOP.

👉 Teil 1: Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
👉 Teil 2: gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage
👉 Teil 4: Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach

Zurück in Augsburg

Am 2. Mai fuhr ich mit Jasmina zurück nach Augsburg. Ohne sie hätte ich mir die Heimfahrt im Zug nicht vorstellen können. Im Auto konnte ich mich halbwegs positionieren, mit einem zum U gerollten Handtuch unter mir.

Zu Hause begann die eigentliche Heilung.

Arbeiten war in den ersten zwei Wochen faktisch kein Thema. Ich habe nur das Nötigste erledigt. Alles andere musste warten.

Am 3. Mai hatte mein Enby Geburtstag. Wir waren zu zweit im Anna-Café frühstücken. Frisch operiert, noch vorsichtig sitzend – aber draußen. Das Leben läuft weiter, auch wenn man innerlich noch komplett mit sich selbst beschäftigt ist.

Frühstück im Anna-Café in Augsburg wenige Tage nach meiner gaOP.
Mai im Anna-Café. Noch vorsichtig, aber wieder draußen.

Sitzen lernen

Sitzen war am Anfang nur mit einem U-Handtuch möglich. Bald bestellte ich mir einen O-Sitzring.

Gold wert.

Ich habe es geschafft, den Sitzring zweimal in der Straßenbahn zu vergessen. Zweimal lag er bei der Fundstelle der Stadtwerke. Geschimpft wurde ich dafür natürlich.

Peinlich war meinem Enby allerdings nicht das Vergessen – sondern den Sitzring öffentlich in der Bahn dabei zu haben. Mir war das egal. Ich wollte schmerzfrei sitzen. Punkt.

Nach etwa vier bis fünf Wochen konnte ich auch ohne Sitzring wieder normal sitzen. Das war einer der ersten echten körperlichen Fortschrittsmarker.

Bougieren – Disziplin statt Drama

In der Klinik wurde noch nicht bougiert. Ich sollte erst nach 14 Tagen beginnen.

Ich fing mit dem kleinsten Dilator an – wie empfohlen. Das fühlte sich an wie eine Salami in einen Flur werfen. Also bin ich ziemlich schnell auf Größe 3 gegangen. Das passte.

Die ersten zwei Monate habe ich dreimal täglich bougiert. Jeweils 15 Minuten, obwohl die Klinik 10 Minuten sagte. Ich dachte: schadet nicht.

Das war zeitlich anspruchsvoll. Arbeit, Alltag, Termine – und dreimal täglich 15 Minuten inklusive Reinigen und Desinfizieren im Waschbecken. Morgens mit Gleitgel, abends mit Ökolp.

Bougieren auf einer öffentlichen Toilette? Nein danke.

Ich habe immer darauf geachtet, dass es fordernd ist, aber nicht schmerzhaft. Am Anfang war es unangenehm. Später Routine. Dann Fortschritt: Größe 4. Irgendwann Größe 5.

Beim Wechsel von 4 auf 5 begann etwas Unerwartetes: Es machte plötzlich Spaß.

Ich wurde bei einem Nachsorgetermin sogar gelobt, wie konsequent ich mitarbeite. Tiefe und Weite waren gut. Ich habe irgendwann nüchtern gedacht: Ich bin vermutlich „fuckable“. Wissen tue ich es nicht. Ich habe es nie ausprobiert.

Schmerzen, Veranstaltungen und Nervenhölle

Ich nahm bis Juni regelmäßig Ibu 600.

Etwa drei Wochen nach der OP war ich bei einer Veranstaltung der Mittelstands-Union der CSU. Es gab Essen und Getränke kostenlos. Ich ließ die Ibu weg. Schlechte Idee.

Alkohol und frische Operationsschmerzen vertragen sich nicht. Danach habe ich unter Ibu nicht mehr getrunken – höchstens minimal.

Was deutlich unangenehmer war, waren die Nervenschmerzen. Brennend, schneidend, elektrisch. Vor allem rechts in dieser Kuhle zwischen Bein und Vulva. Nachts war es schlimmer, vielleicht weil alles ruhiger war.

Gabapentin vom Hausarzt half schnell. Bei der Nachkontrolle war Frau Dr. Witczak darüber nicht begeistert – aber da war das Thema bereits vorbei. Die heftige Phase dauerte etwa eine Woche.

Ich bei einer Veranstaltung der Mittelstands-Union der CSU wenige Wochen nach meiner gaOP.
Erste öffentliche Termine – drei Wochen nach der gaOP.

Nekrose und echter Angstmoment

Bei einer Nachuntersuchung wurde eine kleine Nekrose festgestellt, etwa 0,5–1 cm². Nichts Dramatisches, sagte man mir. Trotzdem bekam ich kurzfristig einen Termin für eine kleine Korrektur-OP.

Am Wochenende löste sich das abgestorbene Gewebe von selbst. Ich lag am Montag einen halben Tag im Krankenhausbett, wurde kurz in den OP geschoben – und wieder heimgeschickt.

Als dieses Stück weg war, wurden die Schmerzen innerhalb weniger Tage deutlich besser.

Das war mein größter Angstmoment. Ich hatte kurz echte Angst, dass meine Klitoris abstirbt. Tat sie nicht.

Der Sommer wird leichter

Am 14. Juni war CSD Augsburg. Ich war noch ziemlich fertig. Zum Glück konnte ich mich am Stand von Queer Augsburg setzen. Länger stehen war damals noch anstrengend.

Zwei Wochen später beim CSD München war es deutlich besser. Ab Ende Juni, Anfang Juli ging es spürbar bergauf.

Es gab keinen magischen Tag, an dem alles vorbei war. Irgendwann waren die Schmerzen weg. Und als die Schmerzen weg waren, hatte ich anderes zu tun.

Ich beim CSD Augsburg wenige Wochen nach meiner gaOP, mit Regenbogenfächer und Sonnenhut.
CSD Augsburg – noch nicht schmerzfrei, aber dabei.
Ich beim CSD München zwei Wochen nach dem CSD Augsburg, deutlich stabiler in der Heilung.
Zwei Wochen später in München – es ging deutlich bergauf.

Lust kehrt zurück

Ende Juni, Anfang Juli hatte ich plötzlich wieder Lust. Mein erster klitoraler Orgasmus nach der OP war eher ein erstauntes „Ach, das geht ja“. Anders als früher. Weniger intensiv, dafür länger.

Mit Androcur hatte ich lange kaum Libido gehabt. Das änderte sich nun.

Vaginale Orgasmen ergaben sich beim Bougieren. Einer davon war sehr intensiv – anders, aber sehr gut.

Im August war der Wendepunkt. Ab September fühlte ich mich praktisch geheilt. Nichts tat mehr weh.

Mythos Feuchtigkeit

Ich möchte mit einer Mär aufräumen.

Ja, ich bin innen feucht. Da ist Schleimhaut. Ökolp habe ich damals verwendet und tue es weiterhin.

Aber „sexbereit selbstschmierend“ ist etwas anderes. Für Penetration würde ich vermutlich Gleitgel brauchen. Biologie ist kein Zaubertrick.

Mein Enby war lange sehr vorsichtig. Es wollte nichts kaputt machen.

Integration

Pinkeln war anfangs unzuverlässig. Acht von zehn Mal lief es gut, die anderen Male nach hinten oder an den Schenkel. Heute ist es etwa 9/10 stabil.

Mein Selbstbild hat sich durch die OP nicht grundlegend verändert. Ich wusste vorher, dass ich eine Frau bin. Eine OP macht mich nicht mehr zur Frau.

Aber es ist stimmig.

Ich kann Hosen tragen.
Badeanzug.
Leggings ohne Versteckspiel.

Es gab ein paar kurze Momente von „Haut des sei miasa?“ (schwäbisch: Hat das sein müssen?) Meist in Phasen von Erschöpfung. Zählbar an einer Hand.

Vom Ergebnis her?

Ja. Ich würde es wieder tun.

Nicht wegen der Schmerzen.
Nicht wegen der Romantik.
Sondern wegen des Ergebnisses.

PKV, Warteliste und Realität

Ab September verständigten sich Klinik und PKV über die Kostenübernahme für die Korrektur-OP. Ich stand wieder auf der Warteliste.

Im Oktober rief ich an, weil meine private Krankenversicherung 2026 unsicher war. Ich bekam einen Termin für den 15. Dezember – noch im sicheren PKV-Zeitraum.

Parallel klärte sich meine Gehaltserhöhung. Für meinen Arbeitgeber war eine Gehaltserhöhung günstiger als ein Wechsel von mir in die GKV.

Transition ist nicht nur Körper.
Sie ist auch Bürokratie.

Die gesamte Serie:

– Teil 1: Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
– Teil 2: gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage
– Teil 3: Dieser Artikel
– Teil 4: Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach

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