Korrektur-OP nach gaOP: Heilung & Alltag danach
Das ist der vierte Teil meiner Serie zur gaOP.
👉 Teil 1: Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
👉 Teil 2: gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage
👉 Teil 3: gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag
Nach den Monaten der Heilung nach der ersten gaOP kam irgendwann der nächste Schritt: die Korrektur-OP.
Nicht, weil etwas „schiefgelaufen“ wäre. Sondern weil bei dieser Art Operation vieles in zwei Etappen passiert. Kleine Anpassungen, Feinarbeit, Dinge, die man erst nach der ersten Heilung sinnvoll korrigieren kann.
Der Zirkus mit PKV und Krankenhaus
Bevor es überhaupt losging, gab es noch ein kleines organisatorisches Drama.
Meine private Krankenversicherung und das Krankenhaus mussten sich erst darüber verständigen, wie die Kostenzusage formuliert sein musste. Das zog sich eine Weile. Parallel dazu war meine Situation mit der PKV für 2026 unsicher – ich musste also sicherstellen, dass die Operation noch innerhalb der bestehenden Versicherung stattfinden konnte.
Im Oktober habe ich deshalb im Krankenhaus angerufen und nach einem Termin gefragt.
Am Ende bekam ich den Termin für den 15. Dezember.
Damit war klar: Die OP findet noch statt, solange ich sicher privat versichert bin.
Zeitgleich klärte sich auch meine Gehaltssituation in meinem neuen Job. Eine Gehaltserhöhung war für meinen Arbeitgeber letztlich günstiger, als wenn ich wegen der Versicherung in die gesetzliche Krankenversicherung gewechselt wäre.
Der eigentliche Aufenthalt im Krankenhaus hatte dann übrigens auch seine ganz eigenen Momente.
Darüber habe ich damals direkt vor Ort geschrieben:
👉 „Krankenhaus, aber make it chaotic“
Manchmal hilft Humor, wenn man gerade mitten im medizinischen Betrieb steckt.
Zweite Operation – deutlich entspannter
Die zweite OP war im Vergleich zur ersten deutlich weniger belastend.

Ich war von Montag bis Donnerstag im Krankenhaus.
Die Operation selbst dauerte ungefähr eine Stunde.
Noch am selben Tag konnte ich wieder vorsichtig herumlaufen – auch wenn ich ehrlich gesagt keine große Lust darauf hatte.
Schmerzmäßig war der Unterschied enorm:
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etwa drei Tage Ibuprofen
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danach nur noch gelegentlich kurze Nervenschmerzen
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keine dauerhaften Schmerzen mehr
Der Katheter wurde einen Tag vor der Entlassung entfernt.
Alles in allem war OP 2 körperlich deutlich leichter als die erste.
Eine Sache war mir allerdings wichtig:
An meiner Klitoris sollte nichts verändert werden.
Never change a running system.
Was bei der Korrektur gemacht wurde
Die Korrektur betraf vor allem die äußere Anatomie und den Eingang.
Unter anderem wurde:
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der Introitus nach unten verlegt
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eine Narbe entfernt
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innere Labien angelegt
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der Bereich um die Harnröhre korrigiert
Diese Veränderungen haben vor allem funktionelle Dinge verbessert.
Pinkeln
Das war nach der ersten OP manchmal etwas unberechenbar.
Heute ist es deutlich besser.
Wenn es noch nach hinten läuft, dann höchstens mittig Richtung Po – nicht mehr an den Beinen oder am Oberschenkel.
Das ist ein riesiger Unterschied im Alltag.
Kein „Siffen“ mehr
Ein Thema, über das kaum jemand spricht, das aber viele kennen: Wundflüssigkeit.
Nach der ersten OP gab es lange immer wieder leichte Flüssigkeit.
Das sogenannte „Siffen“.
Seit Anfang März ist das komplett verschwunden.
Die einzige Situation, in der noch etwas austreten kann, ist nach dem Bougieren mit Ökolp. Dann kann ein Teil der Creme wieder herauslaufen. Dafür lege ich einfach eine kleine Slipeinlage ein.
Sonst ist Ruhe.
Bougieren heute
Nach der Korrektur hat sich auch das Bougieren verändert.
Nach der ersten OP waren es mehrere Male täglich.
Heute ist es deutlich entspannter:
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einmal täglich
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Dilator Größe 5
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etwa 15 Minuten
Ich wechsle zwischen Gleitgel und Ökolp, je nachdem wie sich alles anfühlt.
Wenn es sich eher trocken oder leicht gereizt anfühlt, nehme ich Ökolp.
Wenn alles normal ist, reicht Gleitgel.
Es ist inzwischen einfach ein Teil meiner Routine.
Sexualität nach der Korrektur
Ein Punkt hat sich allerdings überraschend verändert.
Vor der Korrektur hatte ich mehrere vaginale Orgasmen, weil der Eingang eine leichte „Kurve“ hatte.
Mit dem neuen, geraderen Eingang funktioniert das aktuell weniger gut.
Es fühlt sich noch nicht so angenehm an.
Das kann mehrere Gründe haben:
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Heilung ist noch nicht vollständig abgeschlossen
-
Nerven müssen sich neu organisieren
-
der Eingang wurde anatomisch verändert
Ich gebe dem Ganzen einfach Zeit.
Was sehr gut funktioniert, sind klitorale Orgasmen.
Und mein erster Orgasmus mit einer anderen Person – nicht autoerotisch – kam tatsächlich durch Oralverkehr.
Darauf ist mein Enby bis heute stolz wie Bolle.
Seitdem ist es auch ausgesprochen motiviert.
Manchmal fast zu motiviert.
Ehrlich gesagt bin ich inzwischen manchmal froh, wenn nicht schon wieder ein neuer Versuch gestartet wird. Dauerlust auf nur einer Seite kann nämlich auch anstrengend sein.
Alltag mit Vulva
Im Alltag hat sich einiges verändert – vor allem im positiven Sinne.
Ich war inzwischen zweimal schwimmen:
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einmal beim Eisbaden in der Isar mit Kolleginnen von ExoMatter
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einmal in Bad Wörishofen in der Therme, im textilfreien Saunabereich
Das war früher für mich völlig unvorstellbar.
Leggings zum Joggen wären inzwischen auch kein Problem mehr.
Keine Tricks, kein Verstecken, keine extrem engen Unterhosen mehr.

Körpergefühl heute
Interessanterweise hat sich mein Selbstbild gar nicht so dramatisch verändert, wie manche vielleicht erwarten würden.
Ich habe meinen Penis nie gehasst.
Er war einfach da.
Der eigentliche Konflikt war eher der Moment, wenn ich weiblich präsentiert war und gleichzeitig dieses Körperteil verstecken musste. Ich habe früher teilweise mit extrem engen Unterhosen gearbeitet, nur damit nichts sichtbar ist.
Heute schaue ich in den Spiegel und denke einfach:
Ja. Das passt.
Nicht perfekt.
Aber stimmig.
Würde ich es wieder tun?
Die Schmerzen der Heilungsphase würde ich nicht unbedingt noch einmal haben wollen.
Aber das Ergebnis?
Ja.
Definitiv.
Die Operation macht mich nicht zur Frau.
Das wusste ich schon lange vorher.
Aber sie hat meinen Körper mit dem in Einklang gebracht, was ich über mich selbst schon seit vielen Jahren weiß.
Und das fühlt sich richtig an.
Wie es weitergeht
Damit endet diese Reihe über meine gaOP.
Von der Entscheidung
über die Operation
bis zur Heilung und dem Alltag danach.
Wenn ich in ein paar Monaten noch einmal zurückblicke, werde ich wahrscheinlich manche Dinge wieder anders sehen.
Heilung ist ein Prozess.
Aber heute – im März 2026 – fühlt es sich so an:
Ich bin angekommen.
Weiter geht es hier:
👉 Teil 1: Geschlechtsangleichende Operation – Mein Weg
👉 Teil 2: gaOP: OP-Tag, Station und die ersten Tage
👉 Teil 3: gaOP Heilung: Schmerzen, Bougieren und Alltag
👉 Teil 4: Dieser Artikel
Danke. In etwa entspricht das meinen vagen Vorstellungen. Aber es blieb immer die Ungewissheit. Es ist super, aus Erfahrung zu schöpfen. Dabei ist mir klar, dass sich das bei mir, so ich operiert werde, sicher nicht 1 zu 1 spiegelt. Es werden ähnliche Erlebnisse sein. Aber wie ich schonmal sagte, ich laufe nicht mehr „blind“ in die Zukunft. Es macht mir sogar Mut, weil ich schon mit den wildesten Behauptungen und Gerüchten konfrontiert worden bin. Liebe Anna, dafür nochmals ganz lieben Dank.
Gruß Dana