Ich will kein Symbol sein, nur mein Leben leben
In den letzten Wochen habe ich wieder viele Diskussionen über Transsein im Internet gesehen.
Pronomen, Identitäten, Aktivismus, Umkleiden, Saunen, wer wo hingehört, wer für wen sprechen darf.
Und jedes Mal sitze ich davor und denke mir:
Mit meinem Leben hat das erstaunlich wenig zu tun.
Ich bin eine trans Frau.
Ich habe meine Transition nicht gemacht, um ein politisches Statement zu sein.
Ich habe sie gemacht, weil ich als Frau leben wollte.
Einfach so.
Im Alltag.
Ohne Debatte.
Vielleicht bin ich da altmodisch.
Vielleicht auch einfach bayerisch geprägt.
Bei uns sagt man: Leben und leben lassen.
Und genau so habe ich mir mein Leben immer vorgestellt.
Ich wollte kein Symbol sein
Als ich mich geoutet habe, ging es mir nicht darum, sichtbar zu sein.
Es ging mir nicht darum, Begriffe zu erklären.
Und es ging mir ganz sicher nicht darum, irgendjemanden zu erziehen.
Ich wollte einfach, dass dieses falsche Leben aufhört.
Ich wollte morgens in den Spiegel schauen und mich erkennen.
Ich wollte rausgehen und als Frau angesprochen werden, ohne Diskussion.
Ich wollte arbeiten, einkaufen, Freunde treffen, ganz normale Dinge.
Ich habe nicht transitioniert, um dauerhaft ein politisches Projekt zu sein.
Und genau deshalb fühle ich mich oft fremd, wenn ich sehe, wie heute über Transsein gesprochen wird.
Nicht jede trans Person will Aktivistin sein
In den sozialen Medien entsteht oft der Eindruck, als wäre Transsein vor allem ein politisches Thema.
Es geht um Pronomen, um Begriffe, um Identitäten, um Theorien.
Und manchmal wirkt es so, als gäbe es nur noch zwei Möglichkeiten:
laut sein oder dagegen sein.
Ich finde mich in beidem nicht wieder.
Ich habe kein Problem damit, wenn Menschen ihr Transsein sichtbar leben.
Wirklich nicht.
Jeder soll so leben, wie es für ihn, sie oder auch jenseits dieser Kategorien richtig ist.
Was mich aber manchmal irritiert, ist der Anspruch, dass diese Sichtweise für alle gelten soll.
Dass sehr laute Stimmen so auftreten, als würden sie die gesamte trans Community vertreten.
Für mich sprechen sie nicht.
Ich will nicht ständig über Pronomen reden.
Ich will nicht ständig erklären, was Geschlecht ist.
Ich will nicht, dass jede Begegnung eine Grundsatzdiskussion wird.
Ich will einfach mein Leben leben.
Vielfalt funktioniert im Alltag oft besser als im Internet

Ich lebe selbst mit einem nichtbinären Menschen zusammen.
Auch da funktioniert der Alltag ganz normal.
Es wird nicht ständig erklärt.
Es wird nicht ständig diskutiert.
Niemand muss permanent zeigen, was er ist oder wie er sich definiert.
Wir leben einfach unser Leben.
Vielleicht ist genau das mein Punkt:
Vielfalt funktioniert im echten Leben oft viel besser als in den sozialen Medien.
Im Alltag geht es nicht darum, wer recht hat.
Im Alltag geht es darum, miteinander auszukommen.
Mein erstes Mal textilfrei – und es war einfach normal
Vor kurzem war ich nach meiner Operation zum ersten Mal in einer textilfreien Sauna.
Darüber habe ich hier im Blog schon geschrieben.
Ich hatte vorher natürlich Respekt davor.
Nicht wegen der Menschen dort, sondern wegen all der Diskussionen, die man im Internet liest.
Wer darf wohin.
Wer fühlt sich wo unwohl.
Wer gehört in welche Umkleide.
Die Realität war völlig unspektakulär.
Niemand hat mich angestarrt.
Niemand hat diskutiert.
Niemand hat gefragt, was ich bin.
Niemand hat ein politisches Thema daraus gemacht.
Es war einfach ein ganz normaler Saunabesuch.
Genau so habe ich mir mein Leben immer gewünscht.
Nicht als Debatte.
Nicht als Symbol.
Sondern als Alltag.
Und genau deshalb wundere ich mich manchmal, wie weit die Online-Diskussionen von der Wirklichkeit entfernt sind.
Ich bin die Anna
Wenn ich irgendwo neu bin, sage ich meistens einfach:
Ich bin die Anna.
Nicht, weil ich irgendwem etwas beweisen will.
Nicht, weil ich andere belehren möchte.
Sondern weil ich kein politisches Statement abgeben will, jedes Mal, wenn ich mich vorstelle.
Ich bin eine Frau.
Ich habe meine Transition gemacht.
Und damit ist für mich eigentlich alles gesagt.
Das heißt nicht, dass andere das genauso sehen müssen.
Aber ich wünsche mir, dass auch meine Haltung ihren Platz haben darf.
Dass es okay ist, wenn man einfach nur leben will, ohne ständig über Identität zu sprechen.
Leben und leben lassen
Ich bin eher bürgerlich geprägt.
Vielleicht auch ein bisschen konservativ im besten Sinne des Wortes.
Für mich bedeutet Freiheit nicht, dass alle gleich denken müssen.
Freiheit bedeutet, dass man unterschiedlich leben kann, ohne sich gegenseitig vorzuschreiben, wie es richtig ist.
Ich habe meinen Weg gemacht.
Andere machen ihren.
Aber ich möchte nicht, dass irgendjemand für mich spricht, ohne mich zu kennen.
Und ich möchte nicht, dass mein Leben automatisch Teil einer Ideologie wird, nur weil ich trans bin.
Ich wollte nie eine Debatte sein.
Ich wollte einfach ich sein.
Ich bin die Anna.
Und das reicht