Anna im eisblauen Dirndl mit dunkler Strumpfhose und schwarzen Boots vor dem Spiegel
Dunkle Strumpfhose und Boots – am Ende die praktischste Kombination.

Dirndl, Strumpfhosen und Facebook-Kommentare

· 3 Min. Lesezeit · Anna Görlitz

Eigentlich wollte ich nur aufs Gögginger Frühlingsfest gehen.
Dirndl anziehen, fertig. So dachte ich zumindest.

In der Realität stand ich vor dem Spiegel mit drei Paar Schuhen, zwei Strumpfhosen und der Frage, die vermutlich jede Frau kennt, über die im Internet aber immer so getan wird, als wäre sie ganz einfach:

Anna im eisblauen Dirndl mit heller Strumpfhose beim Vergleich verschiedener Schuhe vor dem Spiegel
Mit heller Strumpfhose, aber noch unsicher bei den Schuhen.

Was sieht gut aus, was ist praktisch – und was wird mir hinterher um die Ohren gehauen?

Mein Dirndl ist eisblau, eher schlicht, eher elegant. Ich mag es sehr, aber es hat einen Nachteil:
Es verzeiht wenig. Wenn unten etwas nicht passt, sieht man es sofort.

Eigentlich wäre die klassische Kombination gewesen:

  • dünne hautfarbene Strumpfhose
  • beige Ballerinas
  • fertig

Das Problem:
Es hatte ungefähr fünf Grad.

Anna im eisblauen Dirndl mit hautfarbener Thermostrumpfhose und dünner Strumpfhose darüber
Hautfarbene Thermostrumpfhose mit dünner Strumpfhose darüber – eleganter, aber nicht warm genug.

Eine dünne Strumpfhose bei fünf Grad ist eine sehr gute Idee, wenn man nur kurz für ein Foto vor die Tür geht.
Wenn man aber tatsächlich aufs Frühlingsfest will, ein paar Kilometer zu Fuß unterwegs ist und am Ende auf einem Kiesplatz steht, sieht die Sache anders aus.

Wir sind hingelaufen, weil die Tram einen ziemlichen Umweg fährt und man trotzdem noch ein gutes Stück laufen muss.
Also lieber direkt zu Fuß, an der Wertach entlang, über Pflaster, über Kies, über alles, was halt so auf dem Weg liegt.
Rückweg dann mit Tram, weil irgendwann reicht es auch.

Also dickere Strumpfhose.

Damit kam das nächste Problem: Schuhe.

Meine alten Sneaker wären bequem gewesen, sehen aber inzwischen so aus, als hätten sie mehrere Volksfeste hinter sich.
Ballerinas wären hübsch gewesen, aber bei fünf Grad, Kiesplatz und ein paar Kilometern zu Fuß nicht besonders klug.
Also blieb die Wahl zwischen schwarzen Boots, anderen Sneakern oder frieren.

Am Ende habe ich mich für die dunkle Strumpfhose und die Boots entschieden.
Nicht die eleganteste Lösung, aber die, die zum Wetter und zum Weg gepasst hat.

Auf Threads und Instagram war das Feedback wie erwartet: positiv.
Auf Facebook auch – am Anfang.

Dann bekam der Post plötzlich Reichweite, und damit kamen die Kommentare.

Strumpfhose geht gar nicht.
So kann man doch nicht rausgehen.
Passt nicht.
Unvorteilhaft.
Das sieht man doch.
Hättest du anders machen müssen.

Interessant fand ich, dass sogar Leute, die selbst trans sind, sofort meinten, mit heller Strumpfhose wäre es besser gewesen.

Ja.
Optisch vielleicht.
Praktisch nicht.

Was mich an solchen Kommentaren am meisten nervt, ist gar nicht, dass jemand das Outfit nicht mag.
Geschmäcker sind verschieden, damit kann ich leben.

Was mich nervt, ist dieser Unterton, der oft mitschwingt.

Nicht nur: „Das hätte ich anders gemacht.“
Sondern eher dieses Gefühl, dass manche nur darauf warten, irgendwo einen Fehler zu finden.
Als müsste immer alles perfekt sein, sonst passt das Gesamtbild für sie nicht mehr.

Strumpfhose falsch, Schuhe falsch, irgendetwas nicht hundertprozentig klassisch – und sofort wird diskutiert, ob das alles überhaupt stimmig ist.

Dabei ist die Realität viel banaler.

Es ist kalt.
Man will nicht frieren.
Man hat nicht zehn Paar perfekte Trachtenschuhe im Schrank.
Und man entscheidet sich am Ende für das, was funktioniert.

Wenn es wärmer gewesen wäre, hätte ich beige Ballerinas und eine dünne hautfarbene Strumpfhose getragen.
War es aber nicht.

Also habe ich das angezogen, was zum Wetter gepasst hat, mich wohlgefühlt, wir sind mittags aufs Frühlingsfest gegangen, nach ein paar Stunden wieder heim, und es war ein ganz normal schöner Tag.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Outfitberatung im Internet und echtem Leben.

Im Internet gibt es immer die perfekte Lösung.
Im echten Leben gibt es meistens nur die, die gerade geht.

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3 Kommentare zu “Dirndl, Strumpfhosen und Facebook-Kommentare”

  1. Ich weiß wirklich nicht, warum in aller Welt frau das Outfit anderer Frauen kritisieren bzw. kommentieren sollte. Außer: Du siehst toll aus. Nichts anderes steht mir zu. Was auch immer eine andere Frau trägt, ist einzig und allein ihre Sache, niemand sonst hat darüber zu entscheiden. Und sollte es mir nicht gefallen, darf ich denken, was ich will aber ich halte meine Klappe. Hauptsache, du hattest Spaß.

  2. Hallöchen! Ich gebe zu, ich hab auch erst gedacht: Oh, ich glaube, ne helle Strumpfhose wäre besser.
    Aber dann dachte ich, sie wird nen Grund haben…. wer weiß das schon?! Laufmasche, gerissen, zu dünn, zu kalt….
    Und bei Schuhen bin ich ehrlich, geht für mich inzwischen IMMER bequem vor schön/ passend.
    Unbequeme Schuhe, die schick aussehen und zum Outfit passen, können einem nämlich den ganzen Tag bzw das ganze Fest versauen. Es wird hinterher keiner sagen:“Das wäre ein toller Abend mit dir gewesen, wenn deine Schuhe schick gewesen wären!“ Wohl aber:“ Das nächste Mal zieh bitte was an, in dem du auch laufen kannst!“
    Wenn jemand was zum meckern finden will, findet er es! Ich finde dich toll, mach weiter so!

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