München 2009–2010 – Als aus uns ein Zuhause wurde
Unser erstes Zuhause
Die ersten Monate mit Kuschy waren kein großes Ereignis.
Kein Knall, kein Drama.
Es war eher dieses leise Ankommen.
Ich hatte plötzlich einen Ort, an dem ich einfach sein konnte.
Zu Hause. In der Küche. Im Alltag.
Ich war oft femme. Manchmal komplett, manchmal einfach so, wie ich mich gerade gefühlt habe.
Und es war egal.
Es hat sich nie für mich geschämt.
Nie versteckt.
Eher im Gegenteil.
Ich wusste irgendwann ganz sicher:
Ich gehöre zu ihm. Und es zeigt das auch.
Das war neu für mich. Und unglaublich viel wert.
Essen als Anfang von allem

Vieles zwischen uns lief über etwas ganz Einfaches: Essen.
Es hatte eine erstaunlich lange Liste an Dingen, die es nicht mochte.
Fleisch, Knoblauch, Zwiebeln, Fisch.
Und scharf war sowieso ein komplettes No-Go.
Ich konnte schon lange kochen.
Und ich glaube, genau das war auch einer der Gründe, warum es mich von Anfang an gut fand.
Ich habe irgendwann gemerkt:
Das waren gar keine echten Abneigungen.
Das waren Erinnerungen an Essen, das einfach nicht gut war.
Und wenn etwas neu war, kam zuverlässig dieser Satz:
„Kenn ich nicht, mag ich nicht.“ ☝🏼
Ich wusste inzwischen schon:
Das heißt eigentlich nur, dass es gleich probiert –
und am Ende doch mögen wird.
Das erste Steak
Ich erinnere mich noch gut an das erste Steak.
Schön gebraten, innen noch rosa, dazu Bohnen und Kartoffelpüree.
Es hat das Stück angeschaut, kurz gezögert und dann gesagt:
„Ui… das ist ja noch blutig.“
Dann probiert.
Und plötzlich:
„…geil.“

Ab da gab es öfter Steak.
Knoblauch und Zwiebeln

Knoblauch war das nächste.
Ich habe ihn einfach verwendet.
Nicht übertrieben, aber so, dass man merkt, was er kann.
Zwiebeln genauso.
Und irgendwann war auch das kein Thema mehr.
Im Gegenteil.
Der Fisch-Moment
Am deutlichsten war es beim Fisch.
Es kannte nur diesen sauren Sahnehering.
Und fand Fisch grundsätzlich furchtbar.
Ich wollte aber unbedingt mal wieder Fisch essen.
Also habe ich so lange genervt, bis wir zusammen ins Pep gefahren sind.
Viktoriabarschfilets.
Fest, kaum Gräten. Perfekt für den Anfang.
Zu Hause in Butterschmalz angebraten, Mandelscheiben drüber, dazu Petersilienkartoffeln.
Es hat das Stück angesehen, als wäre es sich noch nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.
Dann ein kleines Stück probiert.
Und mich angeschaut:
„Das ist Fisch?“
Danach mussten wir das regelmäßig machen.
Es hat es geliebt.
Von Schuhsohle zu Lieblingsessen
Kassler Rippchen waren auch so ein Thema.
Es kannte sie nur als trockene Schuhsohlen.
Bei mir waren sie zart.
Nur kurz angebraten, nicht totgegart.
Mit Kartoffelpüree und Rosenkohl.
Sein Kommentar war nur:
„Ui… die gibt’s ja auch in lecker.“
Spearribs und eine „Honecker-Plombe“

Irgendwann waren wir im Bräugirgl in Berg am Laim.
So eine kleine Boaz – Bier, Burger und Spearribs.
Es hat die Rippchen bekommen
und wirklich jeden Knochen komplett blank geleckt und abgeschluzt.
Und dann plötzlich:
Knack.
Eine Plombe raus.
Einfach weg.
Ich hab nur gesagt:
„Ja gut… die DDR-Honecker-Plomben halt.“
Es hat dann in München ein Provisorium bekommen.
Das blieb natürlich viel zu lange drin –
bis ich es irgendwann mehr oder weniger zum Zahnarzt geschleppt habe.
Nicht erzogen – sondern gezeigt
Ich würde heute nicht sagen, dass ich es „erzogen“ habe.
Eher, dass ich ihm gezeigt habe, wie Dinge sein können, wenn man sie gut macht.
Und vielleicht auch, dass es sich lohnt, Dinge nochmal neu zu probieren.
Der Streit um ein Curry
Aber es war nicht alles leicht.
Einmal habe ich ein grünes Thai-Curry gemacht.
Extra nur ganz leicht scharf.
Für mich fast schon zu mild.
Es hat probiert.
Und ist komplett ausgerastet.
„Das ist viel zu scharf. Das kann ich nicht essen.“
Und dann kam dieser Satz:
„Du hast mich gar nicht lieb.“
Ich stand da in der Küche und war einfach nur verletzt.
Ich hatte mir Mühe gegeben. Wirklich.
Und plötzlich ging es nicht mehr um das Essen.
Ich bin richtig sauer geworden.
Wir haben drei Tage nicht miteinander geredet.
Nur noch geschrieben.
Irgendwann kam es zu mir und hat sich entschuldigt.
Und ich glaube, wir haben beide in diesen Tagen gemerkt,
wie schnell man etwas kaputt machen kann, das einem eigentlich wichtig ist.
Unser Alltag
Unser Alltag hat trotzdem funktioniert.
Ich habe gekocht.
Es hat abgespült.
Wir waren unterwegs, haben Ausflüge gemacht, sind rausgegangen.
Aber das Entscheidende war nicht draußen.
Es war dieses Gefühl zu Hause.
Dass ich einfach ich sein konnte.
Ohne mich zu erklären.
Die Dinge, die schwierig waren
Natürlich gab es auch Dinge, die nicht schön waren.
Dieses Heimliche.
Einfach gehen, ohne etwas zu sagen.
Einmal meinte es zu mir:
„Du bist ja eifersüchtig. Du liebst mich ja wirklich.“
Ich wusste damals schon, dass das keine besonders gute Logik ist.
Aber wir waren am Anfang.
Und wir haben beide noch gelernt.
Was geblieben ist
Wenn ich heute an diese Zeit denke,
dann denke ich nicht zuerst an Streit.
Sondern an eine kleine Küche.
An Zwiebeln auf dem Brett.
An den Geruch von Knoblauch in der Pfanne.
Und daran, wie aus „mag ich nicht“
ganz langsam
„mmmh“ geworden ist.
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Diese Zeit war der Anfang von etwas, das sich endlich nach Zuhause angefühlt hat.
Aber sie steht nicht für sich allein.
Der Weg bis hierher
→ 18. Mai 2005 – das erste Mal richtig ich
→ 2005–2006 – Wochenend-Ich und Doppelleben
→ Mannheim & Heidelberg 2007–2008 – Doppelleben
→ München – ein Leben, das funktioniert hat
→ München 2009 – Fernbeziehung und Wendepunkt
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