Anna Görlitz hält mehrere Euro-Banknoten in der Hand und blickt in die Kamera.
Ein spontanes Foto zum Thema Bargeld, Kartenzahlung und Wahlfreiheit beim Bezahlen.

Wie eine Barzahlung zur Gewissensfrage wurde

· 2 Min. Lesezeit · Anna Görlitz

Heute wollte ich einfach nur einen Kaffee trinken.

Im Café hieß es:

„Wir akzeptieren nur Kartenzahlung.“

Also bin ich wieder gegangen.

Nicht aus Notwendigkeit. Ich habe Karten. Mehrere sogar. Mein Handy kann bezahlen. Meine Uhr auch. Auch wenn Apple Pay mit meiner Sparkassenkarte gelegentlich mal wieder seine eigenen Ideen hat, hätte ich problemlos mit Karte zahlen können.

Aber ich entscheide gerne selbst, wie ich mein Geld ausgebe. Mal bar, mal mit Karte.

Ich hielt das für eine ziemlich unspektakuläre Aussage.

Offenbar lag ich falsch.

Nachdem ich diese kleine Alltagsszene auf Threads gepostet hatte, entwickelte sich darunter eine Diskussion mit mehreren hundert Kommentaren. Manche schrieben, sie hätten seit Jahren kein Bargeld mehr dabei. Andere erzählten von Kartenausfällen an Supermarktkassen. Wieder andere schwärmten von Schweden, wo man angeblich eine ganze Woche ohne einen einzigen Geldschein auskommt.

So weit, so normal.

Menschen haben unterschiedliche Vorlieben.

Interessant wurde es erst an einer anderen Stelle.

Einige Antworten lauteten sinngemäß:

„So einen Take hätte ich von dir nicht erwartet.“

Oder:

„Ich fand dich bisher ganz nett.“

Da wurde ich stutzig.

Denn plötzlich ging es gar nicht mehr um Bargeld.

Es ging um Zugehörigkeit.

Offenbar ist Bargeld für manche Menschen längst mehr als ein Zahlungsmittel.

Es ist ein politisches Symbol geworden.

Wer Bargeld mag, gilt schnell als konservativ.

Wer Kartenzahlung bevorzugt, als modern.

Wer Datenschutz erwähnt, steht angeblich kurz vor der Aluhut-Fraktion.

Und wer Bargeld abschaffen möchte, wird von anderen direkt zum gläsernen Bürger erklärt.

Eine erstaunliche Eskalation für etwas, mit dem man früher einfach Brötchen bezahlt hat.

Das Faszinierende daran:

Die meisten Kommentierenden widersprachen mir gar nicht wirklich.

Sie sagten lediglich:

„Ich mache es anders.“

Und das ist völlig in Ordnung.

Ich freue mich über jede Bäckerei, die Kartenzahlung anbietet.

Ich freue mich aber auch über jedes Café, das Bargeld akzeptiert.

Warum?

Weil Wahlfreiheit meistens besser funktioniert als Bevormundung.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte.

Nicht die Frage, ob Bargeld oder Karte besser ist.

Sondern die Tatsache, dass wir inzwischen selbst bei der Bezahlung eines Stücks Kuchens anfangen, politische Lager zu vermuten.

Dabei wollte ich ursprünglich nur einen Kaffee trinken.

Stattdessen bekam ich eine kleine Lektion darüber, wie schnell aus einer persönlichen Vorliebe heute eine Gewissensfrage werden kann.

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2 Kommentare zu “Wie eine Barzahlung zur Gewissensfrage wurde”

  1. Jaja, auch das ist in meinen Augen so eine typisch deutsche Diskussion/Haltung. Sätze wie „Nur Bares ist Wahres“, „Kartenzahlung erst ab 10 Euro“ passen prima in eine Reihe mit „Draußen nur Kännchen!“ Auf der re:publica26 hatte ich eine sehr angenehme Unterhaltung mit einem Vertreter der Bundesbank. Jedesmal, wenn irgendwo was über Kartenzahlung kommt, hört man die Bargeldfetischisten „man will uns unser Bargeld wegnehmen!“ knarzen. Der digitale Euro ist dabei für diese Leute quasi ein Pakt mit dem Teufel. Dabei sorgt der digitale Euro und die Eurowallet für mehr Unabhängigkeit von den USA. Man sollte die Rückseite von Banknoten als Werbefläche vermieten, das entmystifiziert vielleicht.

    Ja, Wahlfreiheit, wie man bezahlen will, das sollte Standard sein.

    • Der digitale Euro existiert aktuell ja noch nicht mal wirklich. Ich war da vor ein ca. 1 Jahr bei einer Podiumsdiskussion der Mittelstands-Union Bezirksverband Augsburg. Mir ging es nur darum, das ich alltägliche Konsumgüter lieber bar bezahle, weil ich dadurch meine Ausgaben besser im Griff habe.

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