EXIF-Daten und GPS: Mein kleiner Privacy-Fail
Ich arbeite in der IT. Und trotzdem hatte ich das Thema nicht auf dem Schirm.
Vor ein paar Wochen ist mir aufgefallen, dass ich Fotos von mir in meinen WordPress-Blog hochgeladen hatte, ohne vorher die Metadaten zu entfernen.
Das Problem: Einige dieser Bilder waren bei mir zuhause entstanden.
Und Fotos können mehr über ihren Aufnahmeort verraten, als man ihnen ansieht.
Was sind EXIF-Daten überhaupt?
Wenn du mit einem Smartphone oder einer Digitalkamera ein Foto machst, besteht die Datei nicht nur aus dem sichtbaren Bild.
In der Datei können zusätzlich sogenannte Metadaten gespeichert sein. Bei Fotos spricht man häufig von EXIF-Daten – EXIF steht für Exchangeable Image File Format.
Darin können zum Beispiel stehen:
- Hersteller und Modell der Kamera oder des Smartphones
- Datum und Uhrzeit der Aufnahme
- Belichtungszeit
- Blende
- Brennweite
- ISO-Wert
- verwendete Software
- Bildausrichtung
- und unter Umständen die GPS-Koordinaten des Aufnahmeortes
Der letzte Punkt ist der interessante.
Denn wenn dein Smartphone beim Fotografieren Standortinformationen speichern darf, kann ein Bild theoretisch ziemlich genau verraten, wo es aufgenommen wurde.
Bei einem Urlaubsfoto vom Brandenburger Tor ist das vermutlich relativ egal.
Bei einem Selfie aus dem eigenen Wohnzimmer eher nicht.
Aber die Adresse steht doch nirgendwo im Bild?
Muss sie auch nicht.
Wenn im Foto beispielsweise GPS-Koordinaten wie
48.xxxxxx, 10.xxxxxx
gespeichert sind, kann man diese einfach in einen Kartendienst eingeben.
Und schon sieht man den dazugehörigen Ort.
Man muss dafür weder Hacker*in noch IT-Profi sein.
Wie kann ich sehen, welche Daten in einem Foto stecken?
Das geht auf verschiedene Arten.
Auf dem Smartphone
Bei aktuellen Smartphones kannst du dir bei einem Foto häufig direkt die Bildinformationen anzeigen lassen.
Auf dem iPhone beispielsweise öffnest du ein Bild in der Fotos-App und rufst die Informationen zum Foto auf. Wenn ein Aufnahmeort gespeichert wurde, wird dort normalerweise auch eine Karte angezeigt.
Bei Android hängt die genaue Darstellung vom Hersteller und von der verwendeten Galerie-App ab. Auch dort gibt es üblicherweise einen Bereich wie „Details“ oder „Informationen“.
Unter Windows oder macOS
Auch am Computer lassen sich viele Metadaten direkt über die Dateiinformationen anzeigen.
Unter Windows findest du sie beispielsweise über die Eigenschaften einer Bilddatei.
Unter macOS kannst du unter anderem den Finder beziehungsweise die Vorschau benutzen.
Für Nerds: ExifTool
Wer es etwas genauer wissen möchte, kann ExifTool verwenden.
Auf der Kommandozeile reicht zum Beispiel:
exiftool foto.jpg
Und plötzlich sieht man, was alles in einer scheinbar simplen JPEG-Datei steckt.
ExifTool kann die Informationen nicht nur anzeigen, sondern auch entfernen.
Zum Beispiel:
exiftool -all= foto.jpg
Dabei sollte man allerdings wissen, was man tut – und idealerweise vorher das Original behalten.
Warum ist das überhaupt ein Datenschutzproblem?
Weil wir Fotos heute ständig öffentlich teilen.
Ein einzelnes Bild mit GPS-Daten ist vielleicht noch kein Drama.
Interessant wird es, wenn sich Informationen kombinieren lassen.
Du postest regelmäßig aus deiner Wohnung.
Du schreibst, wann du im Urlaub bist.
Auf deinem Profil steht dein vollständiger Name.
Und ein öffentlich zugängliches Foto verrät ziemlich genau, wo diese Wohnung liegt.
Das ist eine Information, die ich persönlich nicht freiwillig veröffentlichen möchte.
Gerade Menschen, die öffentlich auftreten, von Stalking betroffen sind oder einfach Wert auf ihre Privatsphäre legen, sollten sich dessen bewusst sein.
„Facebook löscht das doch sowieso“
Bei vielen großen Social-Media-Plattformen werden hochgeladene Bilder neu verarbeitet. Dabei bleiben die ursprünglichen Metadaten üblicherweise nicht einfach vollständig öffentlich an der hochgeladenen Bilddatei hängen.
Trotzdem würde ich daraus keine allgemeine Regel machen:
Verlass dich nicht darauf, dass irgendeine Plattform deine Privatsphäre für dich erledigt.
Wie ein Dienst Bilder verarbeitet, kann sich ändern. Und nicht jeder Fotodienst behandelt Metadaten gleich.
Flickr ist ein gutes Gegenbeispiel
Bei Flickr muss man besonders aufpassen.
Flickr erklärt selbst, dass beim Upload vorhandene EXIF-Daten übernommen und gespeichert werden. Standardmäßig kann auf Fotoseiten sogar ein Link zu den EXIF-Daten angezeigt werden.
Auch GPS-Daten können aus einem Foto importiert werden. Über die Datenschutz- und Berechtigungseinstellungen lässt sich steuern, wer bestimmte Informationen sehen darf.
Wer Flickr nutzt, sollte deshalb unbedingt die eigenen Einstellungen überprüfen – oder die sensiblen Metadaten bereits vor dem Upload aus den Bildern entfernen.
Und WordPress?
Genau dort ist mir mein eigener Fehler passiert.
WordPress verarbeitet hochgeladene Bilder und erzeugt üblicherweise verschiedene Bildgrößen. Bei diesen generierten Dateien werden Metadaten in vielen Fällen entfernt.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das ursprünglich hochgeladene Bild ebenfalls bereinigt wurde. Abhängig davon, wie WordPress, Theme, Plugins und Bildgrößen zusammenspielen, kann das Original weiterhin auf dem Server liegen.
Deshalb wollte ich mich nicht darauf verlassen.
Ich nutze inzwischen das WordPress-Plugin Strip Image Metadata. Das entfernt die Metadaten beim Upload automatisch.
Für mich ist das die angenehmste Lösung: Meine privaten Originalfotos dürfen ihre EXIF-Daten behalten, aber was auf meinem Blog landet, wird bereinigt.
Trotzdem sollte man die eigene Konfiguration einmal testen. Also ein Testfoto mit bekannten EXIF- oder GPS-Daten hochladen, die öffentlich erreichbare Datei wieder herunterladen und prüfen, ob die Metadaten tatsächlich entfernt wurden.
Noch besser: Standortdaten gar nicht erst speichern
Eine weitere Möglichkeit ist, der Kamera-App den Zugriff auf deinen Standort zu entziehen.
Dann können bei neuen Fotos auch keine GPS-Koordinaten in die entsprechenden Metadaten geschrieben werden.
Ob du das möchtest, ist Geschmackssache.
Standortinformationen in der eigenen Fotobibliothek können praktisch sein. Ich finde es zum Beispiel durchaus nett, Jahre später nachsehen zu können, wo ein bestimmtes Foto entstanden ist.
Deshalb muss man EXIF-Daten nicht grundsätzlich verteufeln.
Sie sind keine Sicherheitslücke.
Sie sind schlicht Informationen.
Problematisch wird es nur dann, wenn Informationen öffentlich werden, die eigentlich privat bleiben sollten.
Mein persönlicher Workflow inzwischen
Ich lasse die EXIF-Daten ruhig in meinen privaten Originalfotos.
Bevor beziehungsweise während Bilder auf meine Website gelangen, werden die Metadaten aber entfernt.
Und bei Plattformen, bei denen Originaldateien oder Metadaten möglicherweise zugänglich bleiben, kontrolliere ich vorher die Einstellungen.
Vor allem achte ich auf:
GPS-Koordinaten und Aufnahmeort.
Denn ob jemand weiß, mit welchem iPhone ich ein Foto gemacht habe, ist mir relativ egal.
Wo genau mein Wohnzimmer steht, geht dagegen nicht jede Person im Internet etwas an.
Der eigentliche Lerneffekt
Vielleicht ist das auch der interessante Teil an dieser Geschichte:
Ich bin ITlerin.
Ich beschäftige mich beruflich mit Software.
Ich weiß selbstverständlich, was EXIF-Daten sind.
Und trotzdem hatte ich beim Hochladen meiner eigenen Fotos nicht daran gedacht.
Security und Privacy scheitern eben selten daran, dass Menschen „zu dumm“ sind.
Oft scheitern sie daran, dass man einen bestimmten Angriffspunkt in diesem Moment schlicht nicht auf dem Schirm hat.
Also:
Wenn ihr Fotos öffentlich ins Netz stellt, schaut einmal nach, welche Informationen tatsächlich in diesen Dateien stecken.
Besonders dann, wenn das Foto zuhause aufgenommen wurde.
Vielleicht findet ihr mehr darin, als ihr erwartet habt.
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